Archiv für April 2008

Hyaluronsäure im Maul – Aussehen am Arsch

April 28, 2008

Gibt es eigentlich irgend einen Mann mit halbwegs normaler Sexualität (also ohne Pirelli- oder Saugnapffetisch) der aufgespritzte Lippen schön findet? Mich erinnern solcherart ausgestattete Frauen an die vergammelten, alten, abgefickten, schlichtweg grausligen Transennutten an der Langstrasse (genauer im Durchgang beim Restaurant Sonne, zwischen Hohlstrasse und Brauerstrasse) in Zürich - und das auch nur in nicht allzu extremen Fällen. Ansonsten ist das Aufspritzen schlicht der ästhetische Super-GAU. Wohlgemerkt, ich liebe volle Lippen à la Negresse, nur ist da zumindest für mich ein himmelweiter Unterschied zwischen Natur und Schönheitschirurgie erkennbar. Man fragt sich ja sowieso öfter mal, ob plastische Chirurgen irgend einen Moralkodex haben. Offenbar nicht, wenn man sich ansieht, was sich für undefinierbare Fratzen an Anlässen der so genannten höheren Gesellschaft rumtreiben. Merke: Wenn Du über sechzig Jahre alt bist, wird der Versuch, wie achtzehn auszusehen, nicht funktionieren. Und Dein Ehemann wird trotzdem lieber auf und in jüngeren Weiber rumrutschen, egal was der Herr Doktor Professor Dir sagt.

Offenbar hat nun auch Nicole Kidman den Versuch gemacht, sich mit Hyaluronsäureinjektionen zu verschönern. Ich fand ja die Kidman schon immer sehr unattraktiv in ihrem ewigen Bestreben, die laszive Katze raus zu hängen – aber als ich sie heute im Interdiscount auf Grossleinwand gesehen habe, wo sie für die Wii Werbung gemacht hat, brrrrrrr, nein danke, so muss wohl die Leiche eines Breitmaulfrosches aussehen, der schon seit zwei Wochen tot im Wasser dümpelt, weiss und aufgeschwemmt. Der einzige Fall, wo ich das Aufspritzen unterstützen würde, wäre bei Sonja A. Buholzer, die selbst ernannte Wirtschaftsexpertin und Laberbabbeltussi von TeleZüri. Die hat nämlich nicht nur wenig Ahnung, sondern auch keine – und ich meine, KEINE! – Oberlippe.

Schwule gegen entartete Negerkunst!

April 17, 2008

Fire fi di man dem weh go ride man behind,

Shot battybwoy wit me big gun boom!

Sizzla – „Pump up“

Minderheiten scheinen sehr gerne und immer mal wieder irgend was zu fordern. Denn wer am lautesten schreit, wird ja wohl am meisten Recht haben. Schwule sind darin speziell talentiert. Aktuell nutzen Schweizer Schwulenorganisationen das Fahrwasser einer europäischen Bewegung gegen jamaikanische Musiker. Und schaffen es damit, sich und ihre Oberschwestern in die Medien zu bringen. Das nervt. Lustig ist hingegen das ganze Drumherum. Zuerst mal die Fakten: Sizzla tritt am 24.5. in der Roten Fabrik in Zürich auf. Sizzla ist ein Dancehall-MC. Und Dancehall ist wohl die homophobste und sexistischste Musikrichtung überhaupt. Die Rote Fabrik wird als Kollektiv geführt, so richtig mit Einheitslöhnen, und das rot im Namen steht nicht nur für die Farbe des Gebäudes. Aber einen Plan für den Umgang mit real existierenden fremden Kulturen scheint man dort auch nicht zu haben.

Schon seit einiger Zeit versuchen Schwulenorganisation, den Dancehall-Künstlern mittels des Reggae Compassionate Acts das Maul zu stopfen. Also: keine schwulenfeindlichen Äusserungen! Aber, oh weh, nicht all die bösen, primitiven und rückständigen Karibikneger wollen ihre Kultur für ein paar weisse Betroffenheitsfanatiker opfern. Also musste ein neuer Trick her. Und was bietet sich hier besser an als die Medien (Tagi, Tele Züri, etc.) und noch mehr Betroffenheit? Dazu noch ein bisschen drohen, denn, sollte es zu homophoben Äusserungen kommen, so behalten sich Pink Cross (Schweizer Schwule) und LOS (Lesbenorganisation Schweiz) „alle rechtlichen Schritte vor“ (Quelle: gay.ch). Und die Rote Fabrik lässt verlauten, dass „Diskriminierung in Text und Aufführung nicht akzeptiert wird“. Uuuuh, ob der schwarze Mann wohl schon nicht mehr schlafen kann vor lauter Angst?

Schwule und Linke tendieren dazu, die Pluralität an Lebensformen zu propagieren. Jeder soll immer alles machen können. Kein Weg ist falsch. Alle Menschen sind gut. Aber es tauchen Probleme auf, wenn man mit Menschen zu tun hat, deren Weltbild sich auch mit vielen schönen Theorien kaum integrieren lässt. Und man hat keine Antworten auf die Fragen: Wie tolerant muss man Intoleranten gegenüber sein? Wie geht man mit real existierenden Andersdenkenden um, die sich nicht um Gutmenschengerede kümmern? Wie wichtig ist einem die Meinungs-, Äusserungs- und künstlerische Freiheit wirklich? Die Lösung: Verbieten! Drohen! Sanktionieren! Diskreditieren! Bestrafen! Und ganz, ganz viel rumheulen!

Natürlich ist es nicht schön, in Jamaika bekennender Schwuler zu sein. Teilweise ist es sogar lebensgefährlich. Für uns schwer vorstellbar. Nur: Das ist noch in den meisten Teilen der Welt so. Vielleicht sollte man Heterosexualität als Wurzel der Schwulenfeindlichkeit verbieten?

Entweder entscheidet man sich, ein universales Wertesystem zu vertreten, welches dann aber nicht nur Partikularinteressen dienen sollte (wie zum Beispiel dass man gegen Diskriminierung Schwuler ist, sich aber einen Scheiss um die Stellung der Frau in der islamischen Welt kümmert, und sowieso, die Araber sind ja ganz Arme wegen der bösen Nazisraelis). Oder dann hält man einfach mal die Fresse und lässt die anderen ihr Ding durchziehen. Schwestern, chillt mal, raucht ein bisschen Weed, und vielleicht trefft ihr dabei ja mal  sogar einen Schwarzen und könnt ihm zeigen, dass nicht alle Schwulen abartig und krank sind. Wahrscheinlich könntet ihr damit sogar etwas erreichen, im Gegensatz zum aktuellen Betroffenheitsfeldzug, der die Fronten nur noch mehr verhärtet. Ich für meinen Teil habe kein grundsätzliches Problem mit Schwulen, aber wer rumheult, stösst auf taube Ohren – und das nicht nur bei mir. Bombaclat!

„Aaalso, Goaparties sin scho d Anarchie!“

April 7, 2008

Vor kurzem war ich in Zürich an einer Goaparty. Normalerweise ist in dieser Location ein sehr normales Publikum anwesend, um Konzerte zu hören. Nicht ganz normal war allerdings das Publikum, als ich morgens um sechs Uhr nach der Arbeit dort ankam. Mit drei Bier intus und ein bisschen mitrauchen war ich einigermassen nüchtern. So wie etwa zehn Prozent der Anwesenden. Die anderen 90 Prozent waren irgendwo zwischen gut angeballert und einer substanzinduzierten Psychose.

Ein Begleiter, der sonst Stammgast in Ichbinägeiläsiech-Schuppen wie Club Q und Supermarket ist, bemerkte trocken, dass seine Freundin hier nach zwei Minuten keinen Bock mehr hätte. Glaube ich sofort. Ein normaler Mensch findet sich ja schon im normalen Clubbing nicht zurecht, weil er nicht weiss, was er und die anderen da eigentlich genau machen. Aber an Goaparties gelten nochmals ganz andere Massstäbe.

Das ungeübte Auge wird auf dem Weg zur Toilette vielleicht feststellen, dass es da so komische Menschenklumpen gibt, die mit dem Rücken zum Gang stehen, als ob sie etwas verstecken wollten. Fragt sich vielleicht, wieso einige Leute eine irgendwie komische Motorik und Gestik zeigen. Wieso auf die Toiletten oft keine Einzelpersonen, sondern Gruppen von zwei bis fünf Leuten, Männer und Frauen zusammen, gehen. Und warum überall Kleidungsstücke und Menschen herumliegen.

Wer sich schon etwas tiefer mit der Materie befassen durfte und ein geschärftes Ohr und Auge hat, nimmt zusätzlich während eines Pisscalls folgendes wahr: fünf Mal das Wort Speed; zwei Mal das Wort Cola; das verräterische Geräusch von verschnupften Nasen; die Treppen sind belegt mit abhängenden Personen, die übelstes Gesichtstheater zur Schau stellen; die Gespräche sind laut und teilweise ziemlich planlos; in hohlen Händen wechseln Minigrips und Geld den Besitzer; auf horizontalen Ablagen liegen gefaltete Flyer mit Pulverrückständen; Leute gehen mit der einen Hand zum Mund, um danach mit der anderen einen Schluck aus ihrem Becher zu nehmen; die glimmenden Stengel haben meist keinen braunen Filter, sondern sind konisch und riechen süsslich und schwer.

Zumindest was die Verfügbarkeit von Drogen angeht, sind Goaparties gelebte Anarchie. Anything goes, everything available, everybody mashed for good. Weed, Speed, Ecstasy, Koks, Trips, GHB/GBL und natürlich Alkohol sind ohne grössere Probleme erhältlich. Und wer ernsthaft sucht, der findet auch Shrooms, Crystal, Benzos, Tryptamine, Opiate und weiteres. Solange man mit seinen Kollegen nicht wie ein Zivi aussieht. Allerdings könnte ich tatsächlich einer sein, und da ich keine Zwerge und Kinder als Freunde habe, kommen die Goaner öfter mal auf die Idee, wir seien Bullen auf Jagd. Wenn dann allerdings meine Hüften und Schultern in Bewegung kommen, verfliegt diese Idee recht schnell. Und die Gesichtsausdrücke der anderen wechseln von misstrauisch zu freundlich.

Eingefleischte Goaner preisen den Spirit ihrer Parties, der so anders sei als an anderen Events. Und dass dies eben nicht an den Drogen läge, sondern dass die Goaszene eine Subkultur sei, welche die Gemeinschaft hochhalte. I call bullshit on that! Drogen sind DAS konstitutive Element der Goaszene. Allerdings gilt das eigentlich für die ganze elektronische Musikkultur, von Cüpli-House mal abgesehen. Und man kann das ja auch einfach mal hinnehmen, ohne es werten zu müssen.

Weiter oben habe ich geschrieben, dass Goaparties zumindest in Bezug auf die Verfügbarkeit von Drogen gelebte Anarchie sind. Viel gravierender als die Verfügbarkeit ist jedoch die Wirkung von Drogen. Drogen verändern die Denkweise und die Stimmung. Und da der Mensch ein soziales Wesen ist und aus Beobachtung lernt, können sich solche Stimmungen auch auf nichtkonsumierende Personen übertragen. Jeder spricht mit jedem (Enthemmung) und die Musik lässt sich einen verlieren (Auflösung des Egos). Aber gleichzeitig spürt man eine persönliche Bindung zu den anderen (Einfühlvermögen) und ist bereit, mit ihnen Gemeinsamkeit zu zelebrieren (Aufhebung sozialer Grenzen). Sonst akzeptierte und verinnerlichte Weltbilder und Wertvorstellungen werden umgedeutet oder nicht akzeptiert. Goaparties haben gerade durch die Präsenz und den Konsum illegaler Substanzen anarchistische Züge. Sehr viel Freiheit, sehr wenig Regeln.

In der praktischen Umsetzung zeigt sich dies umso stärker, je weiter die Uhr schon fortgeschritten ist. Als wir einige Stunden später den Floor verliessen, um kurz später ans Tageslicht zu treten und uns über den öffentlichen Verkehr, die pfeifenden Vögel und die zwei uniformierten Polizisten zu freuen, schauten wir die Partygäste an, das Licht, die Dekorationen, den Abfall und Siff, das Gekotzte mit dem Bier am Boden, nahmen die Stimmung auf und realisierten: Goaparty ist Anarchie.

Vom streunenden Raubkater zum König der Prärie?

April 7, 2008

Ich bin auf den Feldern umhergestreunt. Zu Beginn war es nicht immer leicht, aber ich habe gelernt, leckere Mäuse zu entdecken, zu fangen und aufzufressen. Und darin die Meisterschaft erlangt. Mit der Zeit nimmt jedoch leider der Grenznutzen ab, während die Bereitschaft zur Kostenwahrheit steigt. Das wilde Leben ist nun nicht mehr so wild, weil Wildheit übermässig Ressourcen beansprucht. Selbstverständlich macht ein Leben unter freiem Himmel und mit unbegrenzten Möglichkeiten Spass. Aber es gibt auch das Bedürfnis, ein Zuhause zu haben, und jemanden, der einem das Kächelchen füllt, Streicheleinheiten gibt und auch in schlechten Zeiten pflegt. Eine Königin, die mich zum König macht . Und die weiss: You can take the cat at out of the jungle, but you can’t take the jungle out of the cat!

Snoop Dog – Sensual seduction

April 7, 2008

Ich fand den Track und das Video zu Beginn ziemlich besch… eiden. Zwischenzeitlich muss ich jedoch anerkennen, dass Snoopizzle den Funk mehr repräsentiert wie Bootsy Collins und Rick James zusammen. Und habe Respekt für die Frechheit, so was zu produzieren, und damit auch noch durchzukommen! Un-glaub-lich!

youtube.com/watch?v=pKz-RXSeIYA

Gewalt im Nachtleben

April 7, 2008

Wer säuft oder sonstige Rauschmittel zu sich nimmt, ist selbst schuld, wenn er im Ausgang aufs Maul kriegt. Die berauschende Wirkung kommt durch die Veränderung des Botenstoffsystems im Gehirn zustande. Dies führt zu einer Verschiebung der Wahrnehmung der Umwelt und der Selbstwahrnehmung, was als Rausch wahrgenommen werden kann. Und was bedeutet, dass man weder sein Gegenüber richtig einschätzen noch sich selbst angemessen verhalten kann. Was ihr damit macht, ist eure Sache. Ich gehe jedenfalls immer noch gerne gelegentlich einen saufen.

Tians erster Blogartikel!

April 6, 2008

Meine Freunde verstehen mich. Teilweise zumindest. Immerhin besser als all die Nicht-Freunde. Diese meinen oft, einen beschissenen Radikalen vor sich zu haben. Dabei stimmt das gar nicht. Zumindest teilweise nicht. Freunde unterscheiden sich von Nicht-Freunden auch dadurch, dass sie einem ihre Aufmerksamkeit schenken. Medienkonsumenten zeigen sich ihrem Medium gegenüber weniger involviert. Und Internetsurfer halten Verweildauer für eine Krankheit. Nichtsdestotrotz bin auch nun soweit, meinen Einstand in die digitale Medienwelt zu wagen. Internetpublishing. Demokratisierung der Kunst durch Technologie. Wenn alle, die nichts können, meinen, es doch tun zu müssen.

Schaffe ich es, meine Gedanken so zu bündeln, dass sich ein Leser ihnen zuwendet? Dass sie nachvollziehbar sind und er versteht, dass auch das Leben in Grauzonen und Paralleluniversen einen Gewinn bedeuten kann? Oder dass er realisiert, selbst teilweise in Grauzonen zu leben? Oder erreiche ich zumindest, dass er sagt, Alter, ich finde deinen Standpunkt beschissen, aber lass uns doch bei ein paar Bierchen drüber streiten, ich übernehme die erste Runde?

Liebe Freunde, ihr seid herzlich eingeladen, Kommentare abzugeben. Nicht-Freunde, ihr… auch. Und, wer weiss, vielleicht werde ich dereinst an Autorenlesungen eingeladen. Soll vor den Leuten an einem Stehpult vorlesen. Muss den ganzen Abend lang schrecklichen Westschweizer Weisswein saufen. Und darf danach an Literaturgroupies naschen. Yepa!