Fire fi di man dem weh go ride man behind,
Shot battybwoy wit me big gun boom!
Sizzla – „Pump up“
Minderheiten scheinen sehr gerne und immer mal wieder irgend was zu fordern. Denn wer am lautesten schreit, wird ja wohl am meisten Recht haben. Schwule sind darin speziell talentiert. Aktuell nutzen Schweizer Schwulenorganisationen das Fahrwasser einer europäischen Bewegung gegen jamaikanische Musiker. Und schaffen es damit, sich und ihre Oberschwestern in die Medien zu bringen. Das nervt. Lustig ist hingegen das ganze Drumherum. Zuerst mal die Fakten: Sizzla tritt am 24.5. in der Roten Fabrik in Zürich auf. Sizzla ist ein Dancehall-MC. Und Dancehall ist wohl die homophobste und sexistischste Musikrichtung überhaupt. Die Rote Fabrik wird als Kollektiv geführt, so richtig mit Einheitslöhnen, und das rot im Namen steht nicht nur für die Farbe des Gebäudes. Aber einen Plan für den Umgang mit real existierenden fremden Kulturen scheint man dort auch nicht zu haben.
Schon seit einiger Zeit versuchen Schwulenorganisation, den Dancehall-Künstlern mittels des Reggae Compassionate Acts das Maul zu stopfen. Also: keine schwulenfeindlichen Äusserungen! Aber, oh weh, nicht all die bösen, primitiven und rückständigen Karibikneger wollen ihre Kultur für ein paar weisse Betroffenheitsfanatiker opfern. Also musste ein neuer Trick her. Und was bietet sich hier besser an als die Medien (Tagi, Tele Züri, etc.) und noch mehr Betroffenheit? Dazu noch ein bisschen drohen, denn, sollte es zu homophoben Äusserungen kommen, so behalten sich Pink Cross (Schweizer Schwule) und LOS (Lesbenorganisation Schweiz) „alle rechtlichen Schritte vor“ (Quelle: gay.ch). Und die Rote Fabrik lässt verlauten, dass „Diskriminierung in Text und Aufführung nicht akzeptiert wird“. Uuuuh, ob der schwarze Mann wohl schon nicht mehr schlafen kann vor lauter Angst?
Schwule und Linke tendieren dazu, die Pluralität an Lebensformen zu propagieren. Jeder soll immer alles machen können. Kein Weg ist falsch. Alle Menschen sind gut. Aber es tauchen Probleme auf, wenn man mit Menschen zu tun hat, deren Weltbild sich auch mit vielen schönen Theorien kaum integrieren lässt. Und man hat keine Antworten auf die Fragen: Wie tolerant muss man Intoleranten gegenüber sein? Wie geht man mit real existierenden Andersdenkenden um, die sich nicht um Gutmenschengerede kümmern? Wie wichtig ist einem die Meinungs-, Äusserungs- und künstlerische Freiheit wirklich? Die Lösung: Verbieten! Drohen! Sanktionieren! Diskreditieren! Bestrafen! Und ganz, ganz viel rumheulen!
Natürlich ist es nicht schön, in Jamaika bekennender Schwuler zu sein. Teilweise ist es sogar lebensgefährlich. Für uns schwer vorstellbar. Nur: Das ist noch in den meisten Teilen der Welt so. Vielleicht sollte man Heterosexualität als Wurzel der Schwulenfeindlichkeit verbieten?
Entweder entscheidet man sich, ein universales Wertesystem zu vertreten, welches dann aber nicht nur Partikularinteressen dienen sollte (wie zum Beispiel dass man gegen Diskriminierung Schwuler ist, sich aber einen Scheiss um die Stellung der Frau in der islamischen Welt kümmert, und sowieso, die Araber sind ja ganz Arme wegen der bösen Nazisraelis). Oder dann hält man einfach mal die Fresse und lässt die anderen ihr Ding durchziehen. Schwestern, chillt mal, raucht ein bisschen Weed, und vielleicht trefft ihr dabei ja mal sogar einen Schwarzen und könnt ihm zeigen, dass nicht alle Schwulen abartig und krank sind. Wahrscheinlich könntet ihr damit sogar etwas erreichen, im Gegensatz zum aktuellen Betroffenheitsfeldzug, der die Fronten nur noch mehr verhärtet. Ich für meinen Teil habe kein grundsätzliches Problem mit Schwulen, aber wer rumheult, stösst auf taube Ohren – und das nicht nur bei mir. Bombaclat!
Schlagworte: Sizzla, Ragga, Dancehall, Gay, Homophobie
Mai 1, 2008 um 2:38
Selten so ne scheiße gelesen. Erst Hirn einschalten, dann bloggen.
Mai 21, 2008 um 9:47
Und mit welchem Körperteil denkst Du? Lass mich raten…
Juni 4, 2008 um 9:04
lustig dieser nickname, selten so gelacht…
und ich dachte immer, die wahrheit müsste ich suchen. dabei hat sie zumindest schon mal meinen tian gefunden.
hat irgendwie fast schon ein bisschen ironie das ganze…
Juni 30, 2008 um 9:09
Ich dachte vor allem immer die Wahrheit wäre äusserst kompliziert und tiefgründig – aber sie macht es uns so einfach: „Alles Scheisse“. Wenn das die Wahrheit ist, dann werde ich ihr Apostel.