Am Samstag vom vergangenen Wochenende musste ich am Nachmittag in den Letzipark, um einer Freundin im Jumbo Material für ein Kunstprojekt zu besorgen. Schon im Parkhaus war ich dicht dran, so einer MX-5-Hupschwuchtel die Kauleiste aus dem Gesicht zu operieren. Als ich dann im Zenter drin war, wünschte ich mir, nie den Fuss vor die Wohnung gesetzt zu haben. White Trash at its best: billig blondierte Jugoschlampen mit ihren kartoffelgesichtigen, goldbeketteten Kriegsverbecherfreunden, portugiesische Hohlkopfhilfsarbeitersippen und disoziale hässliche Schweizer. Aber wie heisst es so schön? Steigerung ist immer möglich. Denn am darauf folgenden Montag war ich in Dietlikon unterwegs. Und ging dort in den Carrefour. Dieser wurde ja an Coop verkauft, so dass wir nun in der Schweiz ein echt beschissenes Duopol haben, was den Detailhandel betrifft, und ich zukünftig wieder vermehrt nach Deutschland und Frankreich fahren werde, um einzukaufen. Nicht wegen dem Preis, sondern wegen der Auswahl. Item – Carrefour schliesst, auf alles gibt’s Rabatt, Schlussausverkauf. Was mir dort begegnete, war purer Horror. Missgestaltete Wesen in unmöglichen Traineranzügen, die mit ihrem behinderten Nachwuchs durch Wühltische grabbelten, die nackte Gier nach dem ultimativen Schnäppchen in den Augen; Subjekte, denen die Dummheit nicht nur aus dem Gesicht strahlte, sondern auch aus deren Gestik und Motorik; kopftuchtragende Horden von Prügelopfern, die das Geld fürs Leasing des BMW’s vom Mund absparen müssen; und eine Szenerie von zerstörten, leeren Regalen und herumliegendem Müll, so als ob gerade ein lokal begrenzter Bürgerkrieg stattgefunden hat. Ich habe ja eigentlich keine Berührungsängste vor anderen Lebenswelten – aber mit so etwas möchte ich bitte nie, nie mehr zu tun haben.
Archiv für Mai 2008
Das Einkaufszentrum – Hort der Hirntoten
Mai 20, 2008Figgä!
Mai 11, 2008S Gotlett in d Räucherhöhli hänge,
De Fisch uf dr Grill schmeisse,
S Poulet in Ofe rüere,
D Hoseschlange in Bau lo chrieche,
D Fleischpeitsche lo zucke,
S Messgrät ins Testobjekt iifüehre,
D Anaconda in Dschungelsumpf jage.
Die Schlange im Apfelbaum…
Mai 11, 2008Vom Apfel der Verdammnis gekostet,
Freude und Schmerz zugleich,
suche ich die verlorene Unschuld im Exzess.
*
Daraus ziehen Schleier durch den Alltag,
beeinflussen Gedanken, Einstellungen, Werte.
Du kannst das Nachtleben hinter Dir lassen,
aber du wirst die Schatten der Nacht immer in Dir tragen.
Free Tibet? Fuck Tibet!
Mai 11, 2008Aktuell spült die Welle des blinden Aktionismus über China. Und gerade Leute, die sich zuhause einen Scheiss um ihre politischen Rechte kümmern, weil ihnen das alles schon zu kompliziert ist, wollen dem einwohnerreichsten Land der Welt seine Innenpolitik vorschreiben. Und sich damit besser fühlen, weil sie sich ja für eine gute Sache engagieren, irgendwie, wenn auch ohne echtes Engagement ausser dem Kauf von in China hergestellten Buttons und Fähnchen. Es ist ja auch viel bequemer, sich vom Fernsehsessel aus so ein bisschen für etwas in der Ferne einzusetzen als zuhause eigenhändig und aktiv einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten.
Der Dalai Lama, das lustig kichernde Popidol pseudobuddhistischer Westler, und seine Lakaien verstehen es zweifelsohne, auf der Klaviatur des internationalen Skandaljournalismus zu spielen. Dass die Ausschreitungen in Tibet kurz vor den olympischen Spielen statt fanden, ist sicher kein Zufall. Und dass in der Berichterstattung meist verschwiegen wurde, dass der tibetische Mob nicht nur chinesische Geschäfte zerstört, sondern auch deren Besitzer umgebracht hat, auch nicht. Das hätte ja auch das Bild von den armen, unschuldigen und friedfertigen Mönchen angekratzt. Dass diese nicht glücklich sind, ist klar; schliesslich waren die Klöster vor der Kulturrevolution alleinige Besitzer nicht nur des Landes, sondern auch von dessen Einwohnern, die als Leibeigene und Sklaven dienen mussten.
Wer eine Landkarte zur Hand nimmt, findet dort kein Land namens Tibet. Es existiert nicht, Wunschdenken hin, Forderungen her. Natürlich gibt es weltweit viele Vertreter eigennütziger Partikularinteressen. Das ist ja auch ok so, nur sollte man Lösungen im Kompromiss suchen und nicht im eigenmächtigen Einfordern von Maximallösungen. Vielleicht besteht längerfristig in China ja die Möglichkeit eines Sonderstatus für die Region Tibet. Aber solange versucht wird, die Chinesen mittels westlicher PR zu erpressen, solle man sich nicht wundern, wenn diese sich das nicht gefallen lassen. Sollen doch die Pro-Tibet-Schreihälse bitte einmal ernsthaft versuchen, auf chinesische Produkte zu verzichten und den Chinesen aufgrund der Ressourcenknappheit am besten gleich noch verbieten, ihren Lebensstil dem westlichen anzugleichen. Ich fühle mich jedenfalls nicht dazu berufen.
Anarchie: 0, Kapitalismus: 1 – Nachtrag zum 1. Mai 2008 in Zürich
Mai 8, 2008Als Bewohner des Kreis 4 erträgt man schon so einiges. Kaputte Szenen, kaputte Menschen, kaputtes Leben. Manche wohnen in ihren schönen neugebauten Lofts und zelebrieren urbanen Lebensstil. Zumindest bis die Kinder ins Schulalter kommen, dann ziehen sie schnell weg, weil in die Ausländerklassen sollen die eigenen Kleinen dann also schon nicht müssen. Andere lassen sich auf den Kreis 4 hinter den schönen Neubauten und den hippen Clubs für Seefeld- und Agglobewohner ein und lernen neben dem schönen Schein auch die Abgründe kennen. Und dann gibt es im Chreis Cheib noch die Kategorie der Touristen. Jeweils am 1. Mai bevölkert ein spezielles Volk unseren Lebensraum. Wo sonst Junge auf der Suche nach Koks und Ficken sind und Ältere auf der Suche nach Ficken und Saufen, sind an diesem Datum sensationslüsterne Hohlbratzen auf der Strasse, auf der Suche nach dem grossen Kick oder zumindest dem Gefühl, sich mal so richtig gegen das System auflehnen zu können. Wer schon öfters mit Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen zu tun hatte, wird genau das erkennen. Hyperaktives Rumgehample, hirnlose Gruppendynamik, hochkochende Emotionen. Das Ganze verteilt auf ganz viele kleine, armselige, nichts sinnvolles leistende Menschen, die sich wichtig fühlen und sich aufspielen, als ob sie irgend etwas Gehaltvolles zu sagen hätten. Die Masse ist Sender und Publikum zugleich. Nur fehlt leider die Botschaft. Ich wollte mich dem ganzen Theater fernhalten, aber leider kam das Theater auch dieses Jahr wieder zu mir. Und dessen Schauspieler mit ihren Fratzen und ihrem Selbsthass und der Unsicherheit dem Leben gegenüber. Zwei Tage später dann war ich den ganzen Tag an der Bahnhofstrasse unterwegs. Ich sah ruhige, anständige und geschäftige Menschen. Jeder und jede schien Teil eines Ganzen zu sein, das mehr ist als nur seine Einzelteile. Es war kein Hass und keine blinde Wut zu spüren, die Frühlingssonne schien, und so ging jeder seinen Weg, ohne die Wege der anderen stören zu müssen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ich ziehe es vor, mein eigenes Saatgut auszuwählen und es gezielter und zu einem besseren Zeitpunkt in die Ackerfurche zu streuen.