Free Tibet? Fuck Tibet!
Aktuell spült die Welle des blinden Aktionismus über China. Und gerade Leute, die sich zuhause einen Scheiss um ihre politischen Rechte kümmern, weil ihnen das alles schon zu kompliziert ist, wollen dem einwohnerreichsten Land der Welt seine Innenpolitik vorschreiben. Und sich damit besser fühlen, weil sie sich ja für eine gute Sache engagieren, irgendwie, wenn auch ohne echtes Engagement ausser dem Kauf von in China hergestellten Buttons und Fähnchen. Es ist ja auch viel bequemer, sich vom Fernsehsessel aus so ein bisschen für etwas in der Ferne einzusetzen als zuhause eigenhändig und aktiv einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten.
Der Dalai Lama, das lustig kichernde Popidol pseudobuddhistischer Westler, und seine Lakaien verstehen es zweifelsohne, auf der Klaviatur des internationalen Skandaljournalismus zu spielen. Dass die Ausschreitungen in Tibet kurz vor den olympischen Spielen statt fanden, ist sicher kein Zufall. Und dass in der Berichterstattung meist verschwiegen wurde, dass der tibetische Mob nicht nur chinesische Geschäfte zerstört, sondern auch deren Besitzer umgebracht hat, auch nicht. Das hätte ja auch das Bild von den armen, unschuldigen und friedfertigen Mönchen angekratzt. Dass diese nicht glücklich sind, ist klar; schliesslich waren die Klöster vor der Kulturrevolution alleinige Besitzer nicht nur des Landes, sondern auch von dessen Einwohnern, die als Leibeigene und Sklaven dienen mussten.
Wer eine Landkarte zur Hand nimmt, findet dort kein Land namens Tibet. Es existiert nicht, Wunschdenken hin, Forderungen her. Natürlich gibt es weltweit viele Vertreter eigennütziger Partikularinteressen. Das ist ja auch ok so, nur sollte man Lösungen im Kompromiss suchen und nicht im eigenmächtigen Einfordern von Maximallösungen. Vielleicht besteht längerfristig in China ja die Möglichkeit eines Sonderstatus für die Region Tibet. Aber solange versucht wird, die Chinesen mittels westlicher PR zu erpressen, solle man sich nicht wundern, wenn diese sich das nicht gefallen lassen. Sollen doch die Pro-Tibet-Schreihälse bitte einmal ernsthaft versuchen, auf chinesische Produkte zu verzichten und den Chinesen aufgrund der Ressourcenknappheit am besten gleich noch verbieten, ihren Lebensstil dem westlichen anzugleichen. Ich fühle mich jedenfalls nicht dazu berufen.
Schlagworte: Autonomie, Buddhismus, China, Dalai Lama, Tibet
Mai 11, 2008 um 9:35 Uhr nachmittags
Frage: bist Du Chinese, dass Du so einen blödsinn schreibst ?
Liebe Grüsse zentao
Mai 26, 2008 um 7:41 Uhr nachmittags
Na, aber mit “Buddha” wird doch heutzutage weltweit eine Menge Geld verdient: Die haben gelernt von der katholischen Kirche.
So, wie die Chinesen Produkte abgucken.
Juni 4, 2008 um 8:58 Uhr nachmittags
ich bin amüsiert, aber wie so oft gänzlich anderer meinung. natürlich in vollstem bewusstsein, dass sich diese nach abtragen der wohltuenden gegenseitigen polemiken wieder einmal mehr ziemlich nahe kommen werden…
Juni 30, 2008 um 3:19 Uhr nachmittags
Meine absolute Lieblingshäme zum Thema stammt von Mark Steyn, Autor von “America Alone”, welcher da schreibt: “Everyone’s for a free Tibet, but no one’s for freeing Tibet.”
Sollte sich die 82te Luftlandedivision der US-Armee diesen Montag dazu entscheiden in Tibet einzumarschieren, würden wieder alle ihre alten “Pace”-Scheissflaggen rauskramen und gegen die bösen Amerikaner wettern.