Zur Euro 08 gabs soviel Polizei wie noch nie im Kreis 4. Horden von leuchtgelben Signalbojen spazierten die Langstrasse hoch und runter sowie durch die Seitengassen, jeweils in Gruppen von mindestens sechs Mann (und Frau) unterwegs. Man fühlte man sich so sicher wie nie zuvor. Aber leider beschränkt sich solche Sicherheitsarbeit auf Ausnahmesituationen wie die Europameisterschaft. Normalerweise sieht man hier nur selten Polizisten zu Fuss unterwegs, und nachts ziehen sie es vor, mit geschlossenen Autofenstern durchs Viertel zu düsen, die dunklen Seitenstrassen auszulassen und ja nicht allzu genau in die Hauseingänge zu schauen. Entweder sie haben Angst vor der Überzahl und der Abgebrühtheit der Koksklientel, oder sie wollen sich schlicht die Hände nicht dreckig machen für die Anwohner, denn die sind ja schliesslich selbst schuld, dass sie hier wohnen, oder haben sowieso auch alle Dreck am Stecken. Jedenfalls stellt man als Bewohner des Chreis Cheib fest, dass die Polizeiarbeit nur wenig mit den wahrnehmbaren Problemen und Hotspots zu tun hat…
Schlagworte: Drogen, Euro 08, Kreis 4, Langstrasse, Polizei, Rolf Vieli, Sicherheit
Juni 30, 2008 um 8:47
Valentin Landmann hat das schon richtig erkannt: Staatliche Eingriffe befeuern die „Schattenwirtschaft“ wie die Senkung des Leitszinses durch die Nationalbank die Schweizer Volkswirtschaft.
Ist Liberalismus letztendlich doch die bessere Antwort auf Kriminalität?
Die massive Polizeipräsenz indes welche mir während einem Monat bei den Dingen des täglichen Lebens zuschaute – vom Post holen, Geld abheben oder spät Abends besoffen nach Hause kommen – löste bei mir eine Ambivalenz zwischen Paranoia und wohliger Geborgenheit aus.
Unsere Leuchtbojen erweckten oft den Eindruck von Teilzeitbeschäftigten welche aus den Landgemeinden heran gekarrt wurden. Wie Touristen im urbanen Spannungsfeld, gutmütig und fast unbekümmert schauten sie uns oft befremdet zu.
Nun verstehe ich zumindest warum sich Menschen im Polizeistaat nicht immer auch gleich schlecht fühlen müssen – noch nie war der Staat dem Menschen so nah wie in diesen Tagen der EM. Ich war fast versucht den Polizisten Kaffee und Kuchen so bringen als sie so verloren an der Ecke standen.