BMW und schwules Arschficken (CSD Zürich 2008)

Juni 2, 2008 von tianswelt

Am Wochenende vom 30. Mai / 1. Juni fand in Zürich wieder mal der Christopher Street Day statt. Zum CSD gab es überall bunte Gummibändeli fürs Handgelenk zu kaufen, in den sechs Regenbogenfarben sowie in Schwarz und Weiss (csdzurich.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=173&Itemid=104). Wer sich ein bisschen mit schwulem Lebensstil auskennt, weiss, dass Ficken DAS zentrale Element der schwulen Identität ist. Und wer sich noch ein bisschen mehr mit schwulem Lebensstil auskennt, der weiss auch, was der Hanky Code ist, nämlich eine Farbcodierung zum Offenbaren der eigenen sexuellen Vorlieben. Konkret:

Rot = Fisting

Orange = jederzeit alles

Gelb = Pissen

Grün = Rollenspiel

Blau = Arschficken

Violett = Piercing

Weiss = Wichsen

Schwarz = BDSM

Links getragen: aktiv (z.B. Arschficker), rechts getragen: passiv (z.B. Arschgefickter).

Ich frage mich ja, ob die Marketing-Verantwortlichen von Binelli & Ehrsam (Zürcher BMW-Vetretung) als Hauptsponsor wussten, was sie da genau unterstützen. Lustige Vorstellung, wie die Verkäufer und ihre Kunden mit farbigen Bändeli rumlaufen… Jedenfalls habe ich mehrere Hetis getroffen, die nicht die geringste Ahnung hatten, was sie da eigentlich genau tragen und was es bedeutet. Na ja, die Überraschung kommt dann wohl, wenn einem auf der Toilette die Seife runter fällt! Hoppla!

Der Mobility-Carsharing-Horror

Juni 2, 2008 von tianswelt

Mobility ist der Albtraum eines jedes halbwegs begabten Autofahrers. Die Fahrer solcher Autos fahren grundsätzlich mit 25 km/h durch die 50er-Zone, halten aus Orientierungslosigkeit irgendwo irgendwie mitten auf der Strasse an, verpennen die Grünphase, wissen nicht was ein Blinker ist und zeichnen sich generell durch absolut talent- und übersichtsfreies Fahren aus. Als ich heute mal wieder durch Zürichs Strassen fuhr, musste ich etwas noch Schlimmeres erleben, nämlich die Kombination aus Mobility-Fahrzeug mit einem Lernfahrer hinter dem Steuer. Und als ich die Kiste endlich überholen konnte: Am Steuer sass eine Frau. ALAAARM!

Das Einkaufszentrum – Hort der Hirntoten

Mai 20, 2008 von tianswelt

Am Samstag vom vergangenen Wochenende musste ich am Nachmittag in den Letzipark, um einer Freundin im Jumbo Material für ein Kunstprojekt zu besorgen. Schon im Parkhaus war ich dicht dran, so einer MX-5-Hupschwuchtel die Kauleiste aus dem Gesicht zu operieren. Als ich dann im Zenter drin war, wünschte ich mir, nie den Fuss vor die Wohnung gesetzt zu haben. White Trash at its best: billig blondierte Jugoschlampen mit ihren kartoffelgesichtigen, goldbeketteten Kriegsverbecherfreunden, portugiesische Hohlkopfhilfsarbeitersippen und disoziale hässliche Schweizer. Aber wie heisst es so schön? Steigerung ist immer möglich. Denn am darauf folgenden Montag war ich in Dietlikon unterwegs. Und ging dort in den Carrefour. Dieser wurde ja an Coop verkauft, so dass wir nun in der Schweiz ein echt beschissenes Duopol haben, was den Detailhandel betrifft, und ich zukünftig wieder vermehrt nach Deutschland und Frankreich fahren werde, um einzukaufen. Nicht wegen dem Preis, sondern wegen der Auswahl. Item – Carrefour schliesst, auf alles gibt’s Rabatt, Schlussausverkauf. Was mir dort begegnete, war purer Horror. Missgestaltete Wesen in unmöglichen Traineranzügen, die mit ihrem behinderten Nachwuchs durch Wühltische grabbelten, die nackte Gier nach dem ultimativen Schnäppchen in den Augen; Subjekte, denen die Dummheit nicht nur aus dem Gesicht strahlte, sondern auch aus deren Gestik und Motorik; kopftuchtragende Horden von Prügelopfern, die das Geld fürs Leasing des BMW’s vom Mund absparen müssen; und eine Szenerie von zerstörten, leeren Regalen und herumliegendem Müll, so als ob gerade ein lokal begrenzter Bürgerkrieg stattgefunden hat. Ich habe ja eigentlich keine Berührungsängste vor anderen Lebenswelten – aber mit so etwas möchte ich bitte nie, nie mehr zu tun haben.

Figgä!

Mai 11, 2008 von tianswelt

S Gotlett in d Räucherhöhli hänge,

De Fisch uf dr Grill schmeisse,

S Poulet in Ofe rüere,

D Hoseschlange in Bau lo chrieche,

D Fleischpeitsche lo zucke,

S Messgrät ins Testobjekt iifüehre,

D Anaconda in Dschungelsumpf jage.

Die Schlange im Apfelbaum…

Mai 11, 2008 von tianswelt

Vom Apfel der Verdammnis gekostet,

Freude und Schmerz zugleich,

suche ich die verlorene Unschuld im Exzess.

*

Daraus ziehen Schleier durch den Alltag,

beeinflussen Gedanken, Einstellungen, Werte.

Du kannst das Nachtleben hinter Dir lassen,

aber du wirst die Schatten der Nacht immer in Dir tragen.

Free Tibet? Fuck Tibet!

Mai 11, 2008 von tianswelt

Aktuell spült die Welle des blinden Aktionismus über China. Und gerade Leute, die sich zuhause einen Scheiss um ihre politischen Rechte kümmern, weil ihnen das alles schon zu kompliziert ist, wollen dem einwohnerreichsten Land der Welt seine Innenpolitik vorschreiben. Und sich damit besser fühlen, weil sie sich ja für eine gute Sache engagieren, irgendwie, wenn auch ohne echtes Engagement ausser dem Kauf von in China hergestellten Buttons und Fähnchen. Es ist ja auch viel bequemer, sich vom Fernsehsessel aus so ein bisschen für etwas in der Ferne einzusetzen als zuhause eigenhändig und aktiv einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten.

Der Dalai Lama, das lustig kichernde Popidol pseudobuddhistischer Westler, und seine Lakaien verstehen es zweifelsohne, auf der Klaviatur des internationalen Skandaljournalismus zu spielen. Dass die Ausschreitungen in Tibet kurz vor den olympischen Spielen statt fanden, ist sicher kein Zufall. Und dass in der Berichterstattung meist verschwiegen wurde, dass der tibetische Mob nicht nur chinesische Geschäfte zerstört, sondern auch deren Besitzer umgebracht hat, auch nicht. Das hätte ja auch das Bild von den armen, unschuldigen und friedfertigen Mönchen angekratzt. Dass diese nicht glücklich sind, ist klar; schliesslich waren die Klöster vor der Kulturrevolution alleinige Besitzer nicht nur des Landes, sondern auch von dessen Einwohnern, die als Leibeigene und Sklaven dienen mussten.

Wer eine Landkarte zur Hand nimmt, findet dort kein Land namens Tibet. Es existiert nicht, Wunschdenken hin, Forderungen her. Natürlich gibt es weltweit viele Vertreter eigennütziger Partikularinteressen. Das ist ja auch ok so, nur sollte man Lösungen im Kompromiss suchen und nicht im eigenmächtigen Einfordern von Maximallösungen. Vielleicht besteht längerfristig in China ja die Möglichkeit eines Sonderstatus für die Region Tibet. Aber solange versucht wird, die Chinesen mittels westlicher PR zu erpressen, solle man sich nicht wundern, wenn diese sich das nicht gefallen lassen. Sollen doch die Pro-Tibet-Schreihälse bitte einmal ernsthaft versuchen, auf chinesische Produkte zu verzichten und den Chinesen aufgrund der Ressourcenknappheit am besten gleich noch verbieten, ihren Lebensstil dem westlichen anzugleichen. Ich fühle mich jedenfalls nicht dazu berufen.

Anarchie: 0, Kapitalismus: 1 – Nachtrag zum 1. Mai 2008 in Zürich

Mai 8, 2008 von tianswelt

Als Bewohner des Kreis 4 erträgt man schon so einiges. Kaputte Szenen, kaputte Menschen, kaputtes Leben. Manche wohnen in ihren schönen neugebauten Lofts und zelebrieren urbanen Lebensstil. Zumindest bis die Kinder ins Schulalter kommen, dann ziehen sie schnell weg, weil in die Ausländerklassen sollen die eigenen Kleinen dann also schon nicht müssen. Andere lassen sich auf den Kreis 4 hinter den schönen Neubauten und den hippen Clubs für Seefeld- und Agglobewohner ein und lernen neben dem schönen Schein auch die Abgründe kennen. Und dann gibt es im Chreis Cheib noch die Kategorie der Touristen. Jeweils am 1. Mai bevölkert ein spezielles Volk unseren Lebensraum. Wo sonst Junge auf der Suche nach Koks und Ficken sind und Ältere auf der Suche nach Ficken und Saufen, sind an diesem Datum sensationslüsterne Hohlbratzen auf der Strasse, auf der Suche nach dem grossen Kick oder zumindest dem Gefühl, sich mal so richtig gegen das System auflehnen zu können. Wer schon öfters mit Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen zu tun hatte, wird genau das erkennen. Hyperaktives Rumgehample, hirnlose Gruppendynamik, hochkochende Emotionen. Das Ganze verteilt auf ganz viele kleine, armselige, nichts sinnvolles leistende Menschen, die sich wichtig fühlen und sich aufspielen, als ob sie irgend etwas Gehaltvolles zu sagen hätten. Die Masse ist Sender und Publikum zugleich. Nur fehlt leider die Botschaft. Ich wollte mich dem ganzen Theater fernhalten, aber leider kam das Theater auch dieses Jahr wieder zu mir. Und dessen Schauspieler mit ihren Fratzen und ihrem Selbsthass und der Unsicherheit dem Leben gegenüber. Zwei Tage später dann war ich den ganzen Tag an der Bahnhofstrasse unterwegs. Ich sah ruhige, anständige und geschäftige Menschen. Jeder und jede schien Teil eines Ganzen zu sein, das mehr ist als nur seine Einzelteile. Es war kein Hass und keine blinde Wut zu spüren, die Frühlingssonne schien, und so ging jeder seinen Weg, ohne die Wege der anderen stören zu müssen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ich ziehe es vor, mein eigenes Saatgut auszuwählen und es gezielter und zu einem besseren Zeitpunkt in die Ackerfurche zu streuen.

Hyaluronsäure im Maul – Aussehen am Arsch

April 28, 2008 von tianswelt

Gibt es eigentlich irgend einen Mann mit halbwegs normaler Sexualität (also ohne Pirelli- oder Saugnapffetisch) der aufgespritzte Lippen schön findet? Mich erinnern solcherart ausgestattete Frauen an die vergammelten, alten, abgefickten, schlichtweg grausligen Transennutten an der Langstrasse (genauer im Durchgang beim Restaurant Sonne, zwischen Hohlstrasse und Brauerstrasse) in Zürich - und das auch nur in nicht allzu extremen Fällen. Ansonsten ist das Aufspritzen schlicht der ästhetische Super-GAU. Wohlgemerkt, ich liebe volle Lippen à la Negresse, nur ist da zumindest für mich ein himmelweiter Unterschied zwischen Natur und Schönheitschirurgie erkennbar. Man fragt sich ja sowieso öfter mal, ob plastische Chirurgen irgend einen Moralkodex haben. Offenbar nicht, wenn man sich ansieht, was sich für undefinierbare Fratzen an Anlässen der so genannten höheren Gesellschaft rumtreiben. Merke: Wenn Du über sechzig Jahre alt bist, wird der Versuch, wie achtzehn auszusehen, nicht funktionieren. Und Dein Ehemann wird trotzdem lieber auf und in jüngeren Weiber rumrutschen, egal was der Herr Doktor Professor Dir sagt.

Offenbar hat nun auch Nicole Kidman den Versuch gemacht, sich mit Hyaluronsäureinjektionen zu verschönern. Ich fand ja die Kidman schon immer sehr unattraktiv in ihrem ewigen Bestreben, die laszive Katze raus zu hängen – aber als ich sie heute im Interdiscount auf Grossleinwand gesehen habe, wo sie für die Wii Werbung gemacht hat, brrrrrrr, nein danke, so muss wohl die Leiche eines Breitmaulfrosches aussehen, der schon seit zwei Wochen tot im Wasser dümpelt, weiss und aufgeschwemmt. Der einzige Fall, wo ich das Aufspritzen unterstützen würde, wäre bei Sonja A. Buholzer, die selbst ernannte Wirtschaftsexpertin und Laberbabbeltussi von TeleZüri. Die hat nämlich nicht nur wenig Ahnung, sondern auch keine – und ich meine, KEINE! – Oberlippe.

Schwule gegen entartete Negerkunst!

April 17, 2008 von tianswelt

Fire fi di man dem weh go ride man behind,

Shot battybwoy wit me big gun boom!

Sizzla – „Pump up“

Minderheiten scheinen sehr gerne und immer mal wieder irgend was zu fordern. Denn wer am lautesten schreit, wird ja wohl am meisten Recht haben. Schwule sind darin speziell talentiert. Aktuell nutzen Schweizer Schwulenorganisationen das Fahrwasser einer europäischen Bewegung gegen jamaikanische Musiker. Und schaffen es damit, sich und ihre Oberschwestern in die Medien zu bringen. Das nervt. Lustig ist hingegen das ganze Drumherum. Zuerst mal die Fakten: Sizzla tritt am 24.5. in der Roten Fabrik in Zürich auf. Sizzla ist ein Dancehall-MC. Und Dancehall ist wohl die homophobste und sexistischste Musikrichtung überhaupt. Die Rote Fabrik wird als Kollektiv geführt, so richtig mit Einheitslöhnen, und das rot im Namen steht nicht nur für die Farbe des Gebäudes. Aber einen Plan für den Umgang mit real existierenden fremden Kulturen scheint man dort auch nicht zu haben.

Schon seit einiger Zeit versuchen Schwulenorganisation, den Dancehall-Künstlern mittels des Reggae Compassionate Acts das Maul zu stopfen. Also: keine schwulenfeindlichen Äusserungen! Aber, oh weh, nicht all die bösen, primitiven und rückständigen Karibikneger wollen ihre Kultur für ein paar weisse Betroffenheitsfanatiker opfern. Also musste ein neuer Trick her. Und was bietet sich hier besser an als die Medien (Tagi, Tele Züri, etc.) und noch mehr Betroffenheit? Dazu noch ein bisschen drohen, denn, sollte es zu homophoben Äusserungen kommen, so behalten sich Pink Cross (Schweizer Schwule) und LOS (Lesbenorganisation Schweiz) „alle rechtlichen Schritte vor“ (Quelle: gay.ch). Und die Rote Fabrik lässt verlauten, dass „Diskriminierung in Text und Aufführung nicht akzeptiert wird“. Uuuuh, ob der schwarze Mann wohl schon nicht mehr schlafen kann vor lauter Angst?

Schwule und Linke tendieren dazu, die Pluralität an Lebensformen zu propagieren. Jeder soll immer alles machen können. Kein Weg ist falsch. Alle Menschen sind gut. Aber es tauchen Probleme auf, wenn man mit Menschen zu tun hat, deren Weltbild sich auch mit vielen schönen Theorien kaum integrieren lässt. Und man hat keine Antworten auf die Fragen: Wie tolerant muss man Intoleranten gegenüber sein? Wie geht man mit real existierenden Andersdenkenden um, die sich nicht um Gutmenschengerede kümmern? Wie wichtig ist einem die Meinungs-, Äusserungs- und künstlerische Freiheit wirklich? Die Lösung: Verbieten! Drohen! Sanktionieren! Diskreditieren! Bestrafen! Und ganz, ganz viel rumheulen!

Natürlich ist es nicht schön, in Jamaika bekennender Schwuler zu sein. Teilweise ist es sogar lebensgefährlich. Für uns schwer vorstellbar. Nur: Das ist noch in den meisten Teilen der Welt so. Vielleicht sollte man Heterosexualität als Wurzel der Schwulenfeindlichkeit verbieten?

Entweder entscheidet man sich, ein universales Wertesystem zu vertreten, welches dann aber nicht nur Partikularinteressen dienen sollte (wie zum Beispiel dass man gegen Diskriminierung Schwuler ist, sich aber einen Scheiss um die Stellung der Frau in der islamischen Welt kümmert, und sowieso, die Araber sind ja ganz Arme wegen der bösen Nazisraelis). Oder dann hält man einfach mal die Fresse und lässt die anderen ihr Ding durchziehen. Schwestern, chillt mal, raucht ein bisschen Weed, und vielleicht trefft ihr dabei ja mal  sogar einen Schwarzen und könnt ihm zeigen, dass nicht alle Schwulen abartig und krank sind. Wahrscheinlich könntet ihr damit sogar etwas erreichen, im Gegensatz zum aktuellen Betroffenheitsfeldzug, der die Fronten nur noch mehr verhärtet. Ich für meinen Teil habe kein grundsätzliches Problem mit Schwulen, aber wer rumheult, stösst auf taube Ohren – und das nicht nur bei mir. Bombaclat!

„Aaalso, Goaparties sin scho d Anarchie!“

April 7, 2008 von tianswelt

Vor kurzem war ich in Zürich an einer Goaparty. Normalerweise ist in dieser Location ein sehr normales Publikum anwesend, um Konzerte zu hören. Nicht ganz normal war allerdings das Publikum, als ich morgens um sechs Uhr nach der Arbeit dort ankam. Mit drei Bier intus und ein bisschen mitrauchen war ich einigermassen nüchtern. So wie etwa zehn Prozent der Anwesenden. Die anderen 90 Prozent waren irgendwo zwischen gut angeballert und einer substanzinduzierten Psychose.

Ein Begleiter, der sonst Stammgast in Ichbinägeiläsiech-Schuppen wie Club Q und Supermarket ist, bemerkte trocken, dass seine Freundin hier nach zwei Minuten keinen Bock mehr hätte. Glaube ich sofort. Ein normaler Mensch findet sich ja schon im normalen Clubbing nicht zurecht, weil er nicht weiss, was er und die anderen da eigentlich genau machen. Aber an Goaparties gelten nochmals ganz andere Massstäbe.

Das ungeübte Auge wird auf dem Weg zur Toilette vielleicht feststellen, dass es da so komische Menschenklumpen gibt, die mit dem Rücken zum Gang stehen, als ob sie etwas verstecken wollten. Fragt sich vielleicht, wieso einige Leute eine irgendwie komische Motorik und Gestik zeigen. Wieso auf die Toiletten oft keine Einzelpersonen, sondern Gruppen von zwei bis fünf Leuten, Männer und Frauen zusammen, gehen. Und warum überall Kleidungsstücke und Menschen herumliegen.

Wer sich schon etwas tiefer mit der Materie befassen durfte und ein geschärftes Ohr und Auge hat, nimmt zusätzlich während eines Pisscalls folgendes wahr: fünf Mal das Wort Speed; zwei Mal das Wort Cola; das verräterische Geräusch von verschnupften Nasen; die Treppen sind belegt mit abhängenden Personen, die übelstes Gesichtstheater zur Schau stellen; die Gespräche sind laut und teilweise ziemlich planlos; in hohlen Händen wechseln Minigrips und Geld den Besitzer; auf horizontalen Ablagen liegen gefaltete Flyer mit Pulverrückständen; Leute gehen mit der einen Hand zum Mund, um danach mit der anderen einen Schluck aus ihrem Becher zu nehmen; die glimmenden Stengel haben meist keinen braunen Filter, sondern sind konisch und riechen süsslich und schwer.

Zumindest was die Verfügbarkeit von Drogen angeht, sind Goaparties gelebte Anarchie. Anything goes, everything available, everybody mashed for good. Weed, Speed, Ecstasy, Koks, Trips, GHB/GBL und natürlich Alkohol sind ohne grössere Probleme erhältlich. Und wer ernsthaft sucht, der findet auch Shrooms, Crystal, Benzos, Tryptamine, Opiate und weiteres. Solange man mit seinen Kollegen nicht wie ein Zivi aussieht. Allerdings könnte ich tatsächlich einer sein, und da ich keine Zwerge und Kinder als Freunde habe, kommen die Goaner öfter mal auf die Idee, wir seien Bullen auf Jagd. Wenn dann allerdings meine Hüften und Schultern in Bewegung kommen, verfliegt diese Idee recht schnell. Und die Gesichtsausdrücke der anderen wechseln von misstrauisch zu freundlich.

Eingefleischte Goaner preisen den Spirit ihrer Parties, der so anders sei als an anderen Events. Und dass dies eben nicht an den Drogen läge, sondern dass die Goaszene eine Subkultur sei, welche die Gemeinschaft hochhalte. I call bullshit on that! Drogen sind DAS konstitutive Element der Goaszene. Allerdings gilt das eigentlich für die ganze elektronische Musikkultur, von Cüpli-House mal abgesehen. Und man kann das ja auch einfach mal hinnehmen, ohne es werten zu müssen.

Weiter oben habe ich geschrieben, dass Goaparties zumindest in Bezug auf die Verfügbarkeit von Drogen gelebte Anarchie sind. Viel gravierender als die Verfügbarkeit ist jedoch die Wirkung von Drogen. Drogen verändern die Denkweise und die Stimmung. Und da der Mensch ein soziales Wesen ist und aus Beobachtung lernt, können sich solche Stimmungen auch auf nichtkonsumierende Personen übertragen. Jeder spricht mit jedem (Enthemmung) und die Musik lässt sich einen verlieren (Auflösung des Egos). Aber gleichzeitig spürt man eine persönliche Bindung zu den anderen (Einfühlvermögen) und ist bereit, mit ihnen Gemeinsamkeit zu zelebrieren (Aufhebung sozialer Grenzen). Sonst akzeptierte und verinnerlichte Weltbilder und Wertvorstellungen werden umgedeutet oder nicht akzeptiert. Goaparties haben gerade durch die Präsenz und den Konsum illegaler Substanzen anarchistische Züge. Sehr viel Freiheit, sehr wenig Regeln.

In der praktischen Umsetzung zeigt sich dies umso stärker, je weiter die Uhr schon fortgeschritten ist. Als wir einige Stunden später den Floor verliessen, um kurz später ans Tageslicht zu treten und uns über den öffentlichen Verkehr, die pfeifenden Vögel und die zwei uniformierten Polizisten zu freuen, schauten wir die Partygäste an, das Licht, die Dekorationen, den Abfall und Siff, das Gekotzte mit dem Bier am Boden, nahmen die Stimmung auf und realisierten: Goaparty ist Anarchie.